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Gegen den Corona-Blues:
Was wir von Profi-Sportlern lernen

  • SSC Palmberg Schwerin-Team-Jubel-Copyright Eckard May
Wenn der Anpfiff ertönt, heißt es für Profi-Sportler von null auf hundert. Alles geben. Für den Sieg. Für die Meisterschaft. Für Olympia. Und jetzt? – Die Welt steht kopf. Von hundert auf null. Das Corona-Virus bestimmt unser aller Leben. Auch das von Profi-Sportlern wie Hauke Wahl, Anna Pogany und Marie Schölzel. Doch bei allem Frust haben die Bundesligisten eine klare Strategie: den Blick nach vorn richten. Drei Profi-Sportler, drei Schicksale, drei Strategien, dem Corona-Blues zu entkommen und zuhause sportlich fit zu bleiben – inklusive 5 Workout-Tipps von Athletik-Trainer Michael Döring.
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Aus und vorbei: Leben mit der Ungewissheit

Es ist der 12. März 2020. Ein Donnerstag. Anna Pogany und Marie Schölzel erinnern sich noch sehr genau an diesen Tag. Gerade haben die Volleyballerinnen des SSC Palmberg Schwerin das Abschlusstraining beendet, fühlen sich fit für das entscheidende Bundesligaspiel am folgenden Samstag gegen den Erzrivalen Allianz MTV Stuttgart. Nur noch ein Spiel vor den Playoffs. Die Tabellenspitze verteidigen. Doch dann trauen die Volleyballerinnen ihren Ohren nicht. „Die Saison ist beendet“, sagt Trainer Felix Koslowski. Aus und vorbei. Das war’s. „Wir waren total geschockt und wollten das nicht wahrhaben“, erinnert sich Libera Anna Pogany. „Es hat ein paar Tage gedauert, das zu begreifen“, erzählt die 25-Jährige. Es fällt ihr schwer. Bis heute. Auch ihrer Teamkollegin Marie Schölzel. Die Mittelblockerin ist Wochen nach dem Abpfiff immer noch frustriert. „Die Ungewissheit ist das schwierigste. Man will ja auch weiterkommen und abschließen.“ Der 22-Jährigen ergeht es wohl so wie Millionen Menschen in Deutschland in diesen Tagen: Es ist eine Herausforderung, sich im neuen Alltag einzurichten – so ganz ohne Arbeit, ohne feste Trainingspläne, Spiele und Turniere.

Weiter trainieren: 1 m² Platz reicht

Michael Döring kennt das Problem. Er ist als Athletiktrainer angestellt beim Olympia Stützpunkt in Schwerin und betreut neben Boxern und Radsportlern auch die Volleyball-Damen. „Die Eigenmotivation fällt vielen schwer. Vor allem für Mannschaftssportler ist diese Zeit ein Lernprozess“, erklärt Michael Döring. Damit das Team fit bleibt, hat er für die Volleyballerinnen umfangreiche Trainingsprogramme ausgearbeitet. Unterstützend steht der 38-Jährige den Damen zur Seite. Virtuell versteht sich. „Eigentlich braucht man für effektives Training nur einen Quadratmeter Platz“, sagt Döring und schmunzelt. Konkret geht es um Stabilisierung, Kräftigungsübungen und darum, die Muskulatur so weit wie möglich zu erhalten (siehe auch „Fit zuhause: 5 Workout-Tipps vom Athletik-Coach“). Sorge, dass die Spielerinnen nach wochenlangem Trainingsausfall nicht an ihre bisherige Leistung anknüpfen können, hat er nicht. „Im Gegenteil: Der Körper hat jetzt auch mal Zeit, sich zu erholen.“ Dies sei zwar kein Freifahrtschein zum Faulenzen, aber soll die Athletinnen auch beruhigen. „Gut trainierte Sportler können ihre Ressourcen in kurzer Zeit wieder reaktivieren.“ Ein Lichtblick übrigens auch für alle Breitensportler, die ebenfalls mit der neuen eingeschränkten Trainingssituation hadern.
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So auch Hauke Wahl. Der Kapitän führt die Fußball-Elf von Holstein Kiel in der zweiten Bundesliga an. Zwar ist für die „Störche“ die Bundesliga noch nicht final gelaufen. Die Aussichten sind jedoch wenig erbaulich. Zudem liegen hinter dem Fußballer und seinem Team harte Wochen. Die gesamte Mannschaft musste sich am 14. März vorsorglich in häusliche Quarantäne begeben, weil ein Mitspieler positiv auf das Corona-Virus getestet worden war. „Natürlich waren diese zwei Wochen für alle eine große Herausforderung, in der wir aber vom Verein sehr gut unterstützt wurden“, berichtet Hauke Wahl. Sogar ein Lieferdienst wurde für die Profis organisiert. Inzwischen sind die Spieler aus der Quarantäne entlassen, dürfen wieder trainieren. Allerdings weiterhin jeder für sich allein. „Wir müssen uns auch jetzt individuell und selbständig fit halten“, sagt Hauke Wahl. Damit dies gelingt, erhalten auch die Profi-Fußballer umfangreiche Trainingspläne.
Neben Ausdauereinheiten gehören jeden Tag Kraft- und Mobilisationsübungen zum Programm. Bei aller Disziplin, treibt allerdings auch Hauke Wahl ein Gedanke um: „Niemand kennt so eine Situation und viele machen sich Sorgen um die Zukunft.“ Zwar stehe an oberster Stelle die Gesundheit. Jedoch sei es allein aus wirtschaftlicher Sicht extrem wichtig, die Saison in irgendeiner Form zu Ende zu bringen – „zur Not auch mit Spielen ohne Zuschauer“, sagt Hauke Wahl. An Motivation mangelt es dem 26-Jährigen nicht: „Unsere Aufgabe als Profi-Sportler ist es, sich so gut es geht fit zu halten, um für den Tag X, an dem die Saison wieder aufgenommen werden kann, vorbereitet zu sein. Das ist Motivation genug. Wir kennen Phasen, wie z.B. in der Sommerpause, in der man auch eigenverantwortlich arbeiten muss. Allerdings ist da der Zeitraum klar definiert und man arbeitet auf einen festen Termin hin. Nun weiß niemand, wann es weitergeht.“
Die Enttäuschung, die fehlende Perspektive, den Alltag mit der neu gewonnenen Freizeit sinnvoll gestalten: Nicht nur für Profi-Sportler ist das eine Herausforderung. Hinzu kommt die Angst vor der Zukunft. Dipl. Psychologe Mathias Fauth erklärt: „In so einer Situation können Zukunftsängste natürlich immer wieder auftauchen. Das ist auch normal und man sollte diese nicht ignorieren. Vielmehr geht es darum, sich tiefer zu befragen, was hinter diesen Ängsten steht, wovor man konkret Angst hat.“ Der Psychologe empfiehlt jedem, sich auch zu hinterfragen: Was ist das Schlimmste, das passieren könnte? Die Antwort darauf relativiere in der Regel die Katastrophengedanken. „Man kann sich mehr auf das ´Hier und Jetzt` konzentrieren und konstruktiv für sich handeln“, sagt der Experte und sieht den Ausnahmezustand zugleich als Chance. „Nutzen Sie die Zeit, sich selbst besser kennenzulernen, vielleicht auch mal neue Wege zu gehen und alltägliche Dinge wieder mehr wertschätzen zu lernen. Diese Erfahrungen können einem dann im weiteren Leben vielleicht nützen, auch mit anderen Krisensituationen besser umzugehen.“
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In einer Krise stecken Anna Pogany und Marie Schölzel zwar (noch) nicht, aber den gewohnten Alltag vermissen sie sehr. „Das ist unser Leben und erst jetzt merkt man, wie wichtig die Anderen einem sind“, stellt Anna Pogany fest. Zeitgleich freut sie sich über mehr Zeit mit ihrem Partner, der Familie, zum Kochen und Backen. Und damit ihr die Decke nicht auf den Kopf fällt, hat sie sich auch zuhause neue Routinen geschaffen. Nach dem Aufstehen trainiert sie, danach isst sie und lernt für die Uni. Ihren Master in Wirtschaftspsychologie hat sie fest im Blick. „Ich fühle mich einfach besser, wenn ich einen Plan habe.“ Kraft schöpft die Libera außerdem aus ihrer langjährigen Erfahrung im Profi-Sport sowie in der Nationalmannschaft. „Leistungssport lehrt einen, dass es gewisse Dinge gibt, die man nicht verändern oder beeinflussen kann: zum Beispiel Schiedsrichterentscheidungen, die Trainerwahl oder die Mitspielerinnen“, sagt Anna Pogany. „Man lernt also, Dinge und Gegebenheiten zu akzeptieren. Wir müssen auch mit Corona leben und das Beste aus der Situation machen.“
Das versucht auch Marie Schölzel, wenngleich sie ehrlich zugibt, wie schwierig es nach wie vor sei, den Rhythmus zu finden. War ihr Alltag bisher von einer 6-Tage-Woche mit ein 1 bis 2 Trainings pro Tag und 1 bis 2 Spielen pro Woche geprägt, entfällt jetzt nicht nur der Sport, sondern auch das Lernen für die Uni. „Meine Fern-Uni geht erst in Kürze wieder los.“ Fit hält sie sich ebenfalls mit täglichem Sport – entweder mit dem vorgegebenen Trainingsplan oder mit ihren neuesten Entdeckungen. „Es gibt tolle Online-Workouts, die man kostenfrei nutzen kann.“ Sie selbst probiert ständig neue aus und stellt sich regelmäßig einer Challenge. Nicht nur mit ihrem inneren Schweinehund, sondern mit Freundinnen oder ihrer Schwester. Zuletzt stand 10 Minuten Hardcore Bauchtraining auf dem Plan. Nichts für Anfänger. Auch Hauke Wahl trainiert weiter unerbittlich. Vor allem für ein Ziel: Er möchte die Saison mit seinem Team irgendwie zu Ende zu spielen. „Es geht um Auf- und Abstiege, die Konsequenzen wären bis in die unteren Ligen spürbar“, befürchtet er. Für Anna Pogany und Marie Schölzel ist das Thema Saison-Aus hingegen abgehakt. Sie haben sich bereits ein neues Ziel gesteckt: die Saison 2020/2021 bestmöglich spielen und die Meisterschaft gewinnen. Ach ja, und eines ist da noch: Olympia 2024. Träumen ist erlaubt. Ganz besonders in diesen Zeiten.

Schutzengel-Tipp

Unser Versprechen gilt. Wir sind auch in schwierigen Zeiten an Ihrer Seite und weiter für Sie da: Nehmen Sie Kontakt mit uns auf. Sie erreichen uns telefonisch und per E-Mail. Zuverlässigen Service rund um Ihren Versicherungsschutz erhalten Sie außerdem über das Kundenportal „Meine Provinzial“.

Fit zuhause: 5 Workout-Tipps vom Athletik-Coach

Zur Muskelkräftigung und Mobilisierung hat Michael Döring ein Sportprogramm für Sie vorbereitet. Marie Schölzel und Anna Pogany vom SSC Palmberg Schwerin zeigen, wie die Übungen gelingen. Trainieren Sie jede der Übungen direkt hintereinander als Kreis und mit jeweils 12 bis 15 Wiederholungen pro Seite. Wichtig ist, die Bewegung langsam auszuführen und die Anspannung zu halten (pro Wiederholung ca. 4 Sek.). Anschließend 2 Minuten pausieren und weitere Durchgänge des Kreises absolvieren. Je nach Kondition empfiehlt der Athletik-Coach 3 bis 4 Durchgänge. Als Variation bietet er an: „Führen Sie jede Übung nach Zeit (ca. 1 Min) durch und verringern Sie die Pausen.“

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  • 1. Liegestütze / Frauenliegestütze

  • 2. Reißkniebeuge

  • 3. Seitstütz Knie zum Ellbogen

  • 4. Standwaage mit Flieger

  • 5. Superman liegend

1. Liegestütze / Frauenliegestütze
Liegestützposition im Kniestand oder auf den Füßen, Rumpfmuskulatur anspannen, der Körper ist wie ein Brett, Kopf bleibt gerade, langsam die Arme beugen bis die Brust fast den Boden berührt, langsam wieder hochdrücken, Schulterblätter sind fixiert und leicht nach unten gezogen, nicht den Oberkörper absetzen auf den Boden, Körperspannung halten.
Variationen: breiter oder enger Stütz, ein Bein vom Boden abheben, sehr langsam Bewegen (10 Sek. runter/ 10 Sek. hoch)
Muskulatur: Trizeps, Brust-, Schulter- und Rumpfmuskulatur

2. Reißkniebeuge
Handtuch, Stab oder Langhantel mit breitem Griff im Körperlot über dem Kopf halten, Füße stehen schulterbreit auseinander und sind leicht nach außen rotiert, jetzt langsam in die Kniebeuge gehen, Hände bleiben über dem Kopf, Rumpfspannung halten, nicht nach vorne kippen, Füße bleiben komplett auf dem Boden, Blickrichtung nach vorne, Gesäß ist unterhalb der Hüfte im Umkehrpunkt, langsam wieder die Knie strecken und hoch kommen.
Variationen: enger greifen (mehr Schultermobilität), alles nur auf Zehenspitzen bzw. nur auf der Hacke stehend
Muskulatur: Schultergürtel-, langer Rückenstrecker-, Gesäß- und Oberschenkelmuskulatur, Dehnung Schulter-, Rücken- und Wadenmuskulatur

3. Seitstütz Knie zum Ellbogen
Seitstützposition (im Unterarmstütz), Körperspannung halten, oberes Knie anziehen und den Ellbogen berühren, kurz halten und danach Arm und Bein wieder strecken, nicht die Spannung verlieren bzw. absetzen, Hüfte bleibt stabil in der Luft
Variationen: auf der Hand stützen, mit Zusatzgewicht in der freien Hand (Wasserflasche etc.)
Muskulatur: seitliche Rumpfmuskulatur, Schulter-, Gesäß und seitliche Oberschenkelmuskulatur

4. Standwaage mit Flieger 
Aus Einbeinstand nach vorne beugen in die Standwaage, Körperspannung halten, Beine sind gestreckt, oberes Bein, Rücken und Kopf sind eine Linie, Arme hängen nach unten, Schultern sind aber fixiert, Position halten und dabei die Arme seitlich wie ein Flügel heben und senken, langsame Bewegung, Fußspitze des Standbeins zeigen gerade nach vorne, Kniestabilität
Variationen: Augen sind geschlossen, Arme nach vorne strecken, nach jeder Bewegung ein kleiner Sprung
Muskulatur: Schulter-, Rücken-, Rumpf-, Oberschenkel und Fußmuskulatur

5. Superman liegend
Bauchlageposition, Knie und Füße berühren nicht den Boden, Körperspannung halten, Hände sind auf Schulterhöhe, Schultern sind fixiert, Kopf schaut nach unten bzw. leicht nach vorne, jetzt Arme langsam nach vorne strecken, kurz halten und wieder zurück, nicht absetzen
Variationen: Arme machen Halbkreisbewegung von der Hüfte bis gestreckt vor dem Kopf, nur halten in Endstellung maximale Zeit
Muskulatur: Schulter-, Rücken-, Rumpf-, Gesäßmuskulatur
 



Die Spieler

Wenn der Anpfiff ertönt, heißt es für Profi-Sportler von null auf hundert. Alles geben. Für den Sieg. Für die Meisterschaft. Für Olympia. Und jetzt? – Die Welt steht kopf. Von hundert auf null. Das Corona-Virus bestimmt unser aller Leben.

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Cyberrisiken

„Cyberangriffe gehören bei uns und vergleichbaren wissenschaftlichen Einrichtungen zum Tagesgeschäft“, erklärt Dr. Boris Pawlowski, Pressesprecher der Uni Kiel. IT-Sicherheit hat für die Universität daher eine hohe Priorität. Die Mitarbeiter des Rechenzentrums sind gut geschult und in der Abwehr von Angriffen aus dem Netz geübt.

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Text: Maike Lücke
Quellenangabe Fotos: Marie Schölzel, Anna Pogany, Eckard Mai, Nawe/Holstein Kiel, SSC Palmberg Schwerin-Team