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    Themenspezial – Neue Arbeitswelt

    Einfallslos im Home Office?

Wer im Home Office oder mobil arbeitet, kennt es: Sollen kreative Ideen entwickelt werden, fehlt das Brainstorming mit den Kolleginnen und Kollegen. Es gibt keinen inspirierenden Plausch in der Mittagspause oder auf dem Flur und somit weniger ungeahnte Impulse von außen. Leidet die Kreativität also im Home Office? Oder können gute Ideen auch im Wohnzimmer entstehen?

Im Video-Call sind Menschen kreativer

Noch gibt es auf Fragen wie die vorangegangenen keine einheitliche Antwort. Denn das Thema ist bisher wenig untersucht. Wissenschaftler der Universitäten Hannover und Köln stellten aber fest, dass man als Team gemeinsam kreativ sein und Innovationen entwickeln kann, wenn man per Video-Call miteinander spricht. Schlechtere Ergebnisse gab es dagegen, wenn das Team lediglich per Chat kommunizierte. Es muss zu dem Thema allerdings noch weiter geforscht werden. Denn Kreativität ist auch eine Typsache: „Je extrovertierter Menschen sind, desto mehr brauchen sie andere Menschen, um gemeinsam gute Ideen zu entwickeln“, sagt Cordula Nussbaum. Sie ist Speakerin, Autorin und Coach und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themen Zeitmanagement und Kreativität.
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Was ein Apfel mit guten Einfällen zu tun hat

Doch was genau ist Kreativität eigentlich? Kreativ zu sein, heißt nicht, sich etwas komplett Neues auszudenken. Das Gegenteil ist der Fall: „Es bedeutet, bestehende Dinge unvoreingenommen wahrzunehmen, neu zu mischen und daraus etwas Neues entstehen zu lassen“, erklärt Cordula Nussbaum. Ein einfacher Trick ist, sich einen Gegenstand zu suchen und ihn als Kreativitätstechnik einzusetzen. Ein Beispiel: Man nimmt sich einen Apfel und überlegt, was hat dieser Apfel mit meinem Thema zu tun? „Am Anfang mag einem das ungewöhnlich vorkommen. Aber lassen Sie die Gedanken einfach fließen. Dann sprudeln die Ideen“, rät die Expertin.
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Die größten Kreativitäts-Killer

Damit wir im Home Office oder bei der mobilen Arbeit kreativ sein können, brauchen wir allerdings ein Umfeld, das Fehler zulässt und keinen Stress produziert. „Wenn ich an ein Problem oder eine Aufgabenstellung herangehen will, muss ich wissen, dass meine Vorschläge im Team wohlwollend aufgenommen und weiterdiskutiert werden. Wer hier schon Bedenken hat, dass die Ideen abgewertet werden oder wer unter Zeitdruck Ideen produzieren soll, kämpft auf verlorenem Posten“, sagt Cordula Nussbaum. Denn Stress und Perfektionsdenken sind die Killer jeden Einfalls. Das zeigt sich immer wieder in ihren Coachings. Dort arbeitet Cordula Nussbaum mit einem wissenschaftlich validierten Persönlichkeits-Check, der auch das Verhalten in Stresssituationen dokumentiert. „Wir sehen regelmäßig, dass die Menschen unter Stress in der Regel weniger kreativ sind.“ Besser ist es dagegen, sich Zeit zu nehmen und Ideen reifen zu lassen.

Ein Spaziergang lässt Ideen sprudeln

Im Home Office können wir uns in den Kreativitätsmodus bringen, indem wir vor dem Online-Meeting eine Runde spazieren gehen und so den Kopf frei bekommen. Laut der Expertin kommen die besten Einfälle nämlich, während man sich bewegt. Wer nah genug bei seinen Kolleginnen und Kollegen wohnt, kann auf einen Video-Call verzichten und sich für einen Waldspaziergang verabreden. So können sich Ideen während eines „Geh-Gespräches“ entwickeln. Diese Methode kann besonders für die Extrovertierten, die am liebsten mit anderen zusammen brainstormen, eine gute Option sein. Lassen sich Online-Meetings und -Brainstormings nicht ersetzen, rät Nussbaum übrigens dazu, diese so bunt und interaktiv wie möglich zu gestalten. „Binden Sie haptische Impulse ein. Dafür können sie Gegenstände, beispielsweise den Prototypen eines Produkts, vorab per Post an die Meeting-Teilnehmer schicken. Oder Sie integrieren Gegenstände zum Assoziieren, die alle sowieso schon im Home Office haben“, sagt Cordula Nussbaum.

Warum die Expertin Themen gerne auf den Kopf stellt

Die Lieblings-Methode der Expertin, um die Kreativität anzukurbeln, ist übrigens die sogenannte Kopfstand-Technik. Dabei wird das Thema ins Gegenteil verkehrt, also quasi auf den Kopf gestellt. „Gehen wir davon aus, dass Menschen im Home Office mehr arbeiten und es ihnen schwerer fällt, rechtzeitig Feierabend zu machen. Unser Brainstorming-Thema dazu heißt ‚Wie kann ich im Home Office weniger arbeiten? ‘“, schlägt Cordula Nussbaum vor. Mit der Kopfstand-Technik lautet die Frage dann: Wie kann ich im Home Office nonstop arbeiten? Die Antworten könnten sein: Den Laptop und meinen Posteingang nie ausstellen, sodass ich jede eingehende E-Mail sofort sehe. Am Handy einen Alarm aktivieren, der mich über jede neue Nachricht informiert. Keine privaten Verabredungen mehr treffen, um jederzeit einsatzbereit zu sein. „Der Kopfstand hat destruktive Ideen gefördert, die ich nun in produktive umformulieren kann“, erklärt sie.

Ein Selbst-Check für die Kreativität

Wer herausfinden möchte, ob er eine Begabung und eine Präferenz für Kreativität hat, kann den kostenlosen Selbst-Check von Cordula Nussbaum machen. Die „Ideensprudler“ haben von Natur aus ein Talent für Kreativität, das sie ausleben dürfen. Zählen Sie eher zu den systematischen Machern, dann dürfen sie ganz gezielt Kreativitäts-Techniken einsetzen, um Ideen zu entwickeln. Die folgende Check-Liste hilft Ihnen dabei, sich zu überprüfen.
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Kreativitäts-Check-Liste: Wie gut bin ich vorbereitet?

Mit dieser Liste können Sie überprüfen, ob Sie die besten Voraussetzungen für kreative Ideen geschaffen haben.

  • Check 1: Habe ich genug Zeit, um meine Kreativität fließen zu lassen?
  • Check 2: Konnte ich vor dem Brainstorming einen kleinen Spaziergang machen?
  • Check 3: Habe ich einen Gegenstand als Kreativitätstechnik eingesetzt? Stichwort: Apfel.
  • Check 4: Konnte ich die Kopfstand-Technik anwenden?
  • Check 5: Kann ich mich, besonders als extrovertierte Person, mit einer Kollegin oder einem Kollegen für ein „Geh-Gespräch“ verabreden?
  • Check 6: Falls es ein Online-Meeting gibt, ist es ein Video-Call?
  • Check 7: Steht mein Team meinen Ideen wohlwollend gegenüber und nimmt sie erst einmal ohne Kritik auf?
 


Text: Meike Lücke
Quellenangabe Fotos: Claudia Nussbaum, Adobe Stock