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    Themenspezial – Neue Arbeitswelt

    Ausbildung im New Normal

Es sind die vielleicht ungewöhnlichsten Lehrjahre für Auszubildende: keine Berufsschule, digitales Lernen, Home Office und Kundenkontakt nur aus der Distanz. In der Corona-Krise müssen Auszubildende improvisieren. Viele von ihnen kennen ihre Kolleginnen und Kollegen aus dem Betrieb und den Lehrjahrgang nicht persönlich. Kann so überhaupt ein Teamspirit entstehen? Fühlen sich Azubis aktuell trotzdem gut ausgebildet – oder abgehängt gegenüber den Jahrgängen ohne Pandemie-Beschränkungen? Schließlich musste die Digitalisierung der Ausbildungsinhalte bei manchen Unternehmen quasi über Nacht geschehen. Und so stehen auch die Ausbilderinnen und Ausbilder vor bisher unbekannten Herausforderungen: Wie vermitteln sie Lehrstoff ohne Präsenzunterricht? Welche kreativen Lösungen werden den Azubis angeboten? Die aktuelle Situation erfordert viel Flexibilität – von allen Beteiligten.
Ein Azubi lernt am Laptop
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Digitale Lehre: So lernen Azubis im „New Normal“

Die Flexibilität hielt besonders bei Unternehmen, die duale Ausbildungen anbieten, schon vor der Corona-Krise Einzug. Rund 85 Prozent von 1.061 befragten Firmen setzten vor Pandemiebeginn auf digitale Lernmedien, belegt eine Studie des „Netzwerks Q 4.0“. Doch der Digitalisierungsprozess braucht bekanntlich seine Zeit. Und so sind viele Auszubildende aktuell von betrieblichen Einschränkungen betroffen. Rund 35 Prozent der Unternehmen gaben das bei einer Studie des ifo-Instituts im Auftrag des Personaldienstleisters Randstad zu. Je größer das Unternehmen, desto eher mussten die Befragten dies eingestehen. Bei 72 Prozent dieser Firmen kam es zu Lücken in der Wissensvermittlung, nur in 49 Prozent der Fälle konnten diese wieder geschlossen werden. Die Befragung wurde im dritten Quartal 2020 durchgeführt. Es gibt also bei den Unternehmen trotz Engagement und Fortschritt in puncto digitaler Ausbildung noch einiges zu tun.

Online-Unterricht: Nicht jeder hält Schritt

Und auch an den Berufsschulen steht die Welt Kopf. E-Mail-Verkehr, Video-Meetings, Homeschooling für die Auszubildenden: So sieht vielerorts zurzeit das „New Normal“ im Berufsschulalltag aus. Wie gut ist der digitale Unterricht wirklich? Reicht das „New Normal“ schon an die alten Standards heran? Leider noch nicht, zeigt eine Studie von JOBSTARTER plus, ein Ausbildungsstrukturprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.
Demnach ist der digitale Unterricht immer noch ausbaufähig. Laut der Studie haben etwa die Hälfte der Auszubildenden lediglich Aufgaben zur Bearbeitung per E-Mail oder auf postalischem Weg erhalten. Nur 33 Prozent konnten Online-Unterricht nutzen. Doch selbst ein guter digitaler Unterricht erschwert das Lernen in Gruppen. In einigen Fällen ist es gar nicht möglich. Zeitgleich gibt es weniger Teamwork und gegenseitige Unterstützung, weil der Austausch und die Zusammenarbeit, die sich normalerweise im Alltag ergeben, im „New Normal“ plötzlich weitgehend entfallen.

Im Zwiespalt: Schwierige Zeiten für Azubis und Ausbildende

Trotz neuer Konzepte bleibt die Ausbildung im Home Office für alle Beteiligten eine Herausforderung. Gleichzeitig eröffnen sich neue Chancen. Ein eigenverantwortliches Arbeiten wird schon früh gefordert und die digitalen Formate bereiten die Auszubildenden auf Kommunikationswege und Arbeitsprozesse vor, die vielleicht schon bald zum virtuellen Standard gehören. Auch bei der Provinzial arbeiten die meisten Auszubildenden sowie Ausbildende in großen Teilen von zu Hause aus. Wie nehmen sie die Vor- und Nachteile wahr? Die Provinzial hat mit drei von ihnen gesprochen und spannende Einblicke in den digitalen Alltag bekommen.
Eine Auszubildende sitzt mit Büchern am Laptop

 

So gelingt die digitale Ausbildung für alle Beteiligten
Mit diesen drei Tipps erhalten Auszubildende und Ausbildende viele hilfreiche Infos und Inspiration für die digitale Lehre.
1. Digitaler Wandel: Unterstützung für alle

Die Zukunft ist digital – die Berufsausbildung auch. Das NETZWERK Q 4.0 vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) möchte das Berufsbildungspersonal fit für die Herausforderungen der Digitalisierung machen. Die Online-Angebote reichen von Praxistipps, wie Auszubildende am besten digital geführt werden, bis zu einer digitalen Fachkonferenz, der „Ausbilden 4.0 – Fit für das digitale Jetzt“.
2. Azubi-Speeddating: Kennenlernen 4.0

Speeddating 4.0 – unterschiedliche Online-Plattformen bieten Speed-Dating als Online-Event an. Dabei geht es nicht darum, sich zu verlieben, sondern seine Kolleginnen und Kollegen besser kennenzulernen, ideal also für neue Ausbildungslehrgänge.
3. Kurz gesagt: Wichtige Infos zur Ausbildung auf einen Blick

Wie finde ich kurzfristig eine Ausbildung? Welche Betriebe stellen während der Pandemie ein? Schulabgängerinnen und Schulabgänger, aber auch Auszubildende, haben viele Fragen – besonders in der aktuellen Situation. Auf der Online-Plattform von ausbildung.de und auf der dazugehörigen Instagram-Seite bekommen Azubis Antworten und können sich untereinander verbinden.



Text: Meike Lücke, Julia Ehlers
Bilder-Quellenangaben: ©adobe/Tierney, ©adobe/Thomas Reimer, Provinzial, ©adobe/Kalim