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„Die Versorgungs­sicherheit fehlt“

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Heiner Monheim war Professor für Raumplanung an der Universität Trier. Heute berät er Kommunen bei der Verkehrsplanung.


Herr Monheim, ist die Versorgungssicherheit auf dem Land noch gegeben?

Nein, zumindest für ältere Mitbürger nicht. Wenn dort jemand zum Beispiel eine Glühbirne braucht, ist schon lange nicht mehr gewährleistet, dass er ohne Auto den weiten Weg zum nächsten Supermarkt bewältigen kann.



Aber es gibt doch mittlerweile Konzepte, die das eigene Auto ersetzen.
Ja, einige ländliche Regionen in Ostwestfalen, der Nordeifel, dem Südschwarzwald oder dem Allgäu haben bewiesen, dass man mit kleinen Orts- und Stadtbussystemen und Rufbussen einen attraktiven ÖPNV organisieren kann, der neben Schülern und Pendlern auch Einkäufer, Touristen und Freizeitverkehre befördern kann. Damit kann man die Standortattraktivität sichern und die Straßen entlasten. Das sind vielversprechende Ansätze.



Warum gelingt das nicht überall?
Der Gesetzgeber ist in der Pflicht: Denn die Nahverkehrsgesetze der Länder bleiben weitgehend auf den konventionellen Personennahverkehr fixiert, für die innovativen Systeme schaffen sie keinen Rahmen, der Anreize für Innovationen vorsieht. Deshalb verspüren Politiker wenig Handlungsdruck. Die Folge ist: In der praktischen Umsetzung geschieht noch zu wenig.



Wie kann die Situation verbessert werden?
Ein Patentrezept gibt es nicht. Dazu ist das Problem zu komplex. Ein großangelegtes Beschaffungsprogramm durch Bund und Länder könnte helfen. Es müssten rund 200.000 Busse angeschafft werden. Aber dann würde gleich das nächste Problem warten: Wir hätten zu wenige Fahrer.
Heiner Monheim
Heiner Monheim, Professor für Raumplanung an der Universität Trier



Text: Andreas Schulte
Quellenangabe Fotos: Jürgen Seidel, Fotolia