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Handy im Auto - Blindflug auf der Straße

  • Smartphones am Steuer sind längst Unfallursache Nr.1!
Mit 30 km/h durchs Wohngebiet. Ein kurzer Blick aufs Smartphone, um noch mal nach der richtigen Adresse zu schauen. Schon ist es passiert. Das Kind, das zwischen parkenden Autos auf die Straße gelaufen ist, hat der Fahrer übersehen.

Mehr als jeder zehnte Verkehrsunfall lässt sich mittlerweile auf die Nutzung elektronischer Geräte beim Fahren zurückzuführen. Dieser Unfall hat zum Glück nur im Blindflug-Simulator stattgefunden. Gemeinsam wollen die Landesverkehrswacht Schleswig-Holstein und die Provinzial damit auf das digitale Unfallrisiko hinweisen. Das Ziel: mehr Aufmerksamkeit – für das Thema und für den Straßenverkehr.

„Das Smartphone ist längst die Unfallursache Nr. 1 in Deutschland“, erklärt Dietmar Benz von der schleswig-holsteinischen Landesverkehrswacht, „das Motto der Aktion lautet daher auch: Mach es aus, bevor es aus ist.“ Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote ist bei der Auftaktveranstaltung am Kieler Ernst-Barlach-Gymnasium ebenfalls dabei. Findet, dass der Verzicht auf das Handy am Steuer ebenso selbstverständlich sein muss wie das Anschnallen.
  • Am Blindflug-Simulator werden normale Gefahrensituationen im Straßenverkehr simuliert.

Blindflug im Simulator

Der extra gebaute Simulator macht die reale Gefahr erlebbar. Die Oberstufenschüler dürfen hier machen, was sonst während der Fahrt verboten ist. In kurzen Abständen sollen sie Oma anrufen, die Bahnhofstraße finden oder Musik von Pink raussuchen. Gleichzeitig besondere Verkehrs­situationen meistern. Ein Unfall ist nur eine Frage der Zeit. "Ich habe sehr, sehr kurz auf das Handy geguckt und schon habe ich einen Unfall gebaut. Ich wusste schon vorher, dass man das auf keinen Fall machen sollte, im Straßenverkehr aufs Handy zu gucken“, erzählt Moritz Christiansen, „aber irgendwie ist mir das jetzt viel, viel klarer geworden, da ich noch nicht in so eine Situation gekommen bin, aber im Simulator halt schon.“
Die Gefahr ist real. Allein in Schleswig-Holstein hat die Polizei 2018 bei ihren Kontrollen 16.509 Verstöße festgestellt, bei denen Autofahrer Handys und andere elektronische Geräte am Steuer bedient haben. Das Smartphone ist längst zum Unfallrisiko Nr. 1 geworden, auch wenn es nicht einzeln als Unfallursache erfasst wird. „Es gibt eine große Dunkelziffer, wie viele schwere Unfälle durch digitale Ablenkung geschehen“, erklärt Dietmar Benz, „Schätzungen gehen von deutschlandweit 300 tödlichen Unfällen aus diesem Grund aus." Zum Vergleich: Durch Alkohol kamen 2018 in Deutschland 256 Menschen ums Leben.

Das soll sich ändern und die Strafen für die Handynutzung am Steuer steigen. Beim Fahrradfahren telefonieren kostet bereits 55 Euro. Die Smartphone-Nutzung bei der Autofahrt schlägt mit 100 Euro und einem Punkt im Verkehrszentralregister zu Buche. Kommt es zu einer Gefährdung, werden 150 Euro, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot fällig. Mit Sachbeschädigung erhöht sich das Bußgeld auf 200 Euro. Gegebenenfalls handelt es sich sogar um eine Straftat.
  • Das System stellte immer wieder Aufgaben, die währen der Fahrt am Smartphone erledigt werden sollen.

Gefahr in allen Altersgruppen

Ein Menschenleben ist jedoch unbezahlbar. Das eigene ebenso wie das, der Familienmitglieder und der anderen Verkehrsteilnehmer. Matthew Wilby, Vorstandsmitglied der Provinzial NordWest formuliert es so: „Wenn Sie Auto fahren, kommen Sie nie auf die Idee, für drei Sekunden die Augen zuzumachen. Aber faktisch tun Sie genau das. In dem Moment, wo Sie weg schauen auf das Telefon, ist es sehr naheliegend, dass das auch sehr schnell zum Unfall führen kann.“ Mehr als 36 Prozent der Smartphone-Besitzer sind bereits selbst in eine gefährliche Verkehrssituation geraten, weil sie durch das Smartphone abgelenkt waren. Dennoch nutzt rund die Hälfte aller Fahrer ihr Handy ab und zu am Steuer. Mit 85 Prozent sind es bei den 18-29-Jährigen die meisten. Bei den 30- bis 44-Jährigen greifen aber auch immer noch mehr als drei Viertel der Fahrer gelegentlich zum Smartphone.

Weniger Handy, weniger Unfälle

Der Blindflug-Simulator soll nun an Schulen oder bei Stadtfesten oder anderen Veranstaltungen zum Einsatz kommen. Möglichst vielen Menschen zeigen, wie schnell sie die Kontrolle verlieren können, auch wenn der Blick aufs Handy nur kurz ist. Denn nur eigenes Verhalten kann helfen, Unfälle zu vermeiden. „Wir empfehlen den Menschen: Pack das Smartphone weg, pack es ins Handschuhfach, pack's in die Tasche und mach's lautlos, auch ohne Vibrationsalarm“, gibt Dietmar Benz Tipps, „wir neigen dazu, wenn das Ding auf dem Beifahrersitz liegt, dann nimmt man das Gespräch an und dann guckt man da drauf.“  Oder man folgt dem Motto der Aktion: Mach es aus, bevor es aus ist.

Schutzengel-Tipp

Möchten Sie selbst im Blindflug-Simulator erleben, wie gefährlich Smartphones am Steuer sind? Für den Einsatz des Gerätes auf Ihrer Veranstaltung wenden Sie sich gern an die Landesverkehrswachten.

Schleswig-Holstein:
Landes­verkehrs­wacht SH, Elisabeth Pier
Tel. +49 431 17333

Mecklenburg-Vorpommern:
Verkehrswacht Ueckermünde
Tel. +49 3973 441700


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Text: Beatrix Richter
Quellenangabe Fotos: Marcos Mesa Sam Wordley, Pat Scheidemann, Thomas Klerx