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Ein Tag im Kreuzfahrthafen

  • Zwischen zwei Kreuzfahrten macht die Aida Luna Station im Kieler Hafen.
  • AIDAluna_Meer
Dicker Nebel liegt an diesem Morgen über der Kieler Förde. Durch die Glasfront des Kreuzfahrtterminal am Ostseekai kann man kaum die Umrisse der Werft am Ufer gegenüber erkennen. Auch von der Aida Luna ist noch nichts zu sehen. Nach einer Minikreuzfahrt Kiel-Kopenhagen-Kiel soll sie hier in einer Stunde anlegen, pünktlich um 7:30 Uhr. Am Abend geht es schon wieder weiter. Nächstes Ziel: Spitzbergen. Florian Brardt startet seinen Arbeitstag im Büro. Kleine Küchenzeile, großer Besprechungstisch, auf dem Sideboard mehrere Monitore. Ein erster Kaffee. „Innerhalb von zehn Stunden müssen 2.500 Passagiere von Bord und 2.400 neue wieder rauf“, liest Florian Brardt von der Schiffsanmeldung ab. Auf dem DIN A4 Ausdruck stehen alle Informationen, die der Terminalmitarbeiter und seine Kollegen brauchen, um Technik und Service vorzubereiten. Für die Aida Luna heißt das: drei Sicherheitsscanner für Personen und Handgepäck im 1. Stock des Terminals, ein Großscanner im Gepäckzelt, Frischwasser tanken, Grauwasser und Müll entsorgen. Seit vier Jahren arbeitet Brardt im Kieler Hafen. Eigentlich ist der 28-Jährige gelernter Dachdecker. Am PC stellt er ein, welche Informationen den Passagieren auf den verschiedenen Monitoren im Terminal angezeigt werden.

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  • Im Gepäckzelt kommt ein Großscanner zum Einsatz.

    Sicherheitstechnik einsatzbereit

Noch 30 Minuten bis zum Anlegen. Brardt startet seinen Rundgang durch das Terminal. Kontrolliert den Fahrstuhl. Lässt die Rolltreppen in die gewünschte Richtung laufen. Alle Info-Monitore funktionieren. Gemeinsam mit seinem Kollegen Carsten Balschuweit nimmt er die Sicherheitsscanner am Check-In in Betrieb. „Mit unserem Testkoffer kontrollieren wir, ob das Scannerbild richtig angezeigt wird. Die Gegenstände im Koffer bestehen aus unterschiedlichen Materialien und werden in verschiedenen Farben dargestellt“, erklärt er. Im ersten Stock läuft alles einwandfrei und auch der Scanner im Gepäckzelt tut seinen Dienst. Noch ist es hier leer. Stehen die Gepäckwagen verlassen herum. Vor dem Zelt unterhält sich eine Gruppe junger Studenten. Die Kofferjungs. Sie helfen auch beim Festmachen des Schiffes.

Brardt geht zurück in den 1. Stock zum Landgang. Wie bei der Gangway eines Flugzeugs, wechseln die Passagiere mehrere Meter über den Boden vom Schiff aufs Festland. Im Nebel ist nun auch das typische Lächeln der Aida Schiffe zu sehen. Bevor die Aida Luna anlegen kann, muss sie sich jedoch noch einmal um 180 Grad drehen. Für den gut 252 Meter langen und 35 Meter breiten Koloss kein leichtes Unterfangen. Viele Passagiere stehen auf den Balkonen und an Deck und beobachten das Wende- und Anlegemanöver. Brardt tauscht letzte Informationen mit Martin Steinbuch aus. Der Hafenagent von Satori und Berger übernimmt die Kommunikation zwischen der Reederei und den verschiedenen Dienstleistern im Hafen. Angemeldet hat Steinbuch die Aida Luna schon vor Monaten. Oft steht der Kreuzfahrtkalender für Kiel ein Jahr im Voraus fest, damit die Reedereien ihre Fahrten bewerben und verkaufen können. Jetzt interessiert Brardt, ob sich bei den Mengen für Grauwasser und Müll noch etwas verändert hat. Seine Zahlen sind aktuell. Nach dem Anlegen wird Steinbuch als Erster an Bord des Schiffes gehen. Gemeinsam mit Beamten vom Zoll und der Bundespolizei. „Da geht es dann unter anderem um Waren, die an Bord zollfrei eingekauft werden können, und die nicht-europäische Crewmitglieder“, erklärt er, „die benötigen ein Visum, um das Schiff verlassen zu können.“
Mit einem Testkoffer prüft Florian Brardt, ob die Sicherheitsscanner funktionieren.
  • Millimeterarbeit: Florian Brardt verbindet Landgang und Schiff sicher miteinander.
Die Aida Luna macht backbord fest.

Anlegen ist Millimeterarbeit

Der weiße Rumpf der Aida Luna liegt nun backbord zum Kai. An langen Stangen halten Matrosen runde Signalschilder aus den offenen Ladeluken. Ihre grüne bzw. rote Seite zeigt dem Kapitän, ob die Ladeluken an den vorgesehenen Stellen liegen. Dann hat das Schiff seine endgültige Position erreicht. Die Leinen sind fest. Brardt geht mit einer Fernbedienung in der Hand ganz vorn auf die Plattform des Landgangs. Er muss den Übergang so mit dem Schiff verbinden, dass er auch bei Wellengang und Schiffsbewegungen sicher überquert werden kann. Millimeterarbeit. Moderne Technik hilft und nach einigen Minuten zeigt das grüne Signal auf dem Monitor: Alles ist sicher miteinander verbunden. Die Aida Luna hat pünktlich angelegt. Nachdem Zoll und Bundespolizei das Schiff freigeben haben, strömen ab 8:30 Uhr bereits die ersten Passagiere von Bord. Die Kofferjungs füllen die Eingangshalle mit Gepäck. Ordentlich sortiert nach Decksnummern. Vor dem Ostseekai warten Shuttlebusse, um die Urlauber zum Bahnhof oder zu ihren Autos zu fahren. Andere lassen ihren Wagen direkt zum Terminal kommen. Hostessen beantworten Fragen und helfen dabei, die Rückreise entspannt anzutreten.
  • Cathy Stössel arbeitet seit zehn Jahren im Kreuzfahrthafen von Kiel.

    Gepäck und Proviant an Bord

Rund 150 Menschen verschiedener Firmen sorgen heute für einen reibungslosen Check-out und Check-in für die insgesamt knapp 5.000 Urlauber. Schon treffen die neuen Passagiere ein. Das Gepäckzelt nimmt erste Koffer entgegen. Hier hat Cathy Stössel den Hut auf. Die Vorarbeiterin vom Kai Service Kiel ist heute für die Kofferjungs zuständig. Auf dem Boden hat sie markiert, wo das Gepäck für welches Deck gesammelt wird. „Das muss heute schnell gehen. Für 17 Tage Kreuzfahrt packen die Leute gleich mehrere Koffer, oder - was für uns anstrengender ist - einen großen Koffer“, erzählt sie, „35 Kilogramm zu heben, ist nicht ohne.“ Fällt ein Gepäckstück beim Scannen auf, macht sie sich auf die Suche nach dem Besitzer. Bei 2.400 Passagieren und mehr kostet das wertvolle Zeit.

Mittlerweile hat sich der Nebel aufgelöst. Es wird ein sonniger Tag. Stössel steht auf dem Kai. Auch die drei Gabelstapelfahrer hören auf ihr Kommando. Aus einer der Schiffsluken nehmen sie Müll entgegen. Zehn Kubikmeter Bio-Müll, 35 Kubikmeter Restmüll hat die Aida Luna angemeldet. „Was nicht in die Container passt, muss das Schiff wieder mitnehmen und wir kontrollieren auch, ob sauber getrennt wurde“, erklärt Stössel. Ihr Blick geht zur zweiten Luke. Hier laden ihre Kollegen Europaletten mit Proviant ins Schiff. 144 Paletten von acht LKWs, möglichst in der richtigen Reihenfolge. Für besonders sperrige Formate wie einen meterlangen Teppich müssen sie sich auch schon mal besondere Lösungen einfallen lassen. Nicht nur deshalb ist für Janny Herrmann jeder Tag im Hafen anders. Seit 18 Jahren fährt er hier Gabelstapler. Auch mal unter Zeitdruck, wenn das Schiff verspätet eintrifft, aber trotzdem pünktlich wieder loswill. „Das hier ist meine Leidenschaft und man muss den Job auch lieben, um ihn gut zu machen“, betont er.

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Cathy Stössel arbeitet seit zehn Jahren im Kreuzfahrthafen von Kiel.
Cathy Stössel arbeitet seit 2009 jede Kreuzfahrtsaison von April bis Oktober im Kieler Hafen. Kam früher ein Schiff pro Woche, sind es heute oft mehrere an einem Tag. Für 2019 sind 176 Anläufe von 33 Kreuzfahrtschiffen geplant. „Wir Vorarbeiter haben uns mittlerweile auf bestimmte Schiffstypen spezialisiert“ erzählt sie. Mit jedem „Mein Schiff“ von Tui ist sie bereits selbst gefahren, privat oder wenn der Kreuzfahrtanbieter das Schiff vorgestellt hat. Die kleinen Schiffe bis 2.000 Passagiere sind ihr am liebsten: „Da kennt der Decksstewart seine Gäste noch mit Namen.“ Damit an Land möglichst alles reibungslos läuft, spricht sie sich mit den anderen Dienstleistern gut ab. Vorarbeiter, Hafenagenten und Terminalmitarbeiter kennen sich. Versuchen jeweils das große Ganze im Blick zu haben. Von Brardts Kollege Martin Baumgarten bekommt Stössel eine Schraube mit Mutter, um
einen der Gabelstapler zu sichern. Der gelernte Feinblechner hat früher auf der anderen Seite der Förde gearbeitet und bei HDW-Werft Lüftungen, Küchen und Wandsysteme für Schiffe geformt. „Ich bin froh, dass ich mit dieser Arbeit den Schiffen treu bleiben konnte“, erzählt er lächelnd. Am Ostseekai ist er seit dem ersten Kreuzfahrtanlauf 2007 dabei. Heute übernimmt er die Spätschicht. Dokumentiert wie viel Frischwasser getankt wurde und bestätigt dem Schiff die abgegebenen Mengen Grauwasser und Müll. „Das müssen die Schiffe heute alles nachweisen können“, erzählt er. Geregelt ist dies durch Marpol - ein internationales Übereinkommen, das die Verschmutzung der Meere durch Schiffe eindämmen soll.

Bei der Aida Luna hat heute alles gepasst. Pünktlich um 18 Uhr sticht das Kreuzfahrtschiff in See. Martin Baumgarten macht das Terminal schon für den nächsten Anlauf bereit. Morgen kommt die Costa Pacifica mit 3.500 Passagieren.
Kleinere Reparaturen übernehmen die Terminalmitarbeite selbst. Wie Martin Baumgarten sind sie alle gelernte Handwerker.


Zwischen zwei Kreuzfahrten macht die Aida Luna Station im Kieler Hafen.


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Text: Beatrix Richter
Quellenangabe Fotos: Beatrix Richter